Muss ich immer Leistung bringen?

SPLASH!!!

Tomatensauce überall, sie ist richtig an Tür und Wänden hochgespritzt.

“Oooh weh!”, kommentiert die zweijährige Kolibri auf meinem Arm.

In mir toben die Vorwürfe: “Warum musst du auch immer alles auf einmal,… Du hättest auch um Hilfe bitten können!… Oder weniger tragen. Nur der heiße Topf hätte ja völlig gereicht!…Aber dann noch Schneeanzug, Schuhe, Kind,…Was soll das denn?”

Dann der Gedanke: Dein Innen spiegelt sich im Außen.

Tatsächlich, ich lache laut auf.

Seit zwei Monaten und nun aktuell seit zwei Tagen habe ich meine Regel wieder bekommen. Nach drei Jahren Pause wegen Schwangerschaften und Tandemstillen geht es nun ungebremst wieder los.

Nachdem ich beinahe von Beginn der Pubertät an bis zu knapp vor meiner ersten Schwangerschaft die Pille genommen hatte, war die Regel damals nur ein schwacher Abklatsch von den heftigen Körpererlebnissen die ich jetzt habe. 

Hellrotes Blut in Massen verlässt meinen Körper, ich bin ruhebedürftig und kaum belastbar. Mache ich zu viele Termine an den ersten beiden Tagen aus, hechele ich nur noch mir selbst hinterher. Ich werde unzufrieden bis hin zu einer tiefen Traurigkeit.

Mein Körper sagt ganz klar: Mach ne Pause, ruhe dich aus, lesen, Wärmeflasche auf den Bauch, viel trinken, Zeit für dich ist angesagt!

Rot…

Aber hat das denn Raum in unserer Leistungsgesellschaft? Am liebsten würde ich die zwei Tage nicht zur Arbeit gehen, in mich gehen. Dadurch Stärke gewinnen für den restlichen Monat, wo hormonell dann ja auch Höhenflüge kommen, mit übernatürlicher Leistungsbereitschaft und Kraft.

Unsere Gesellschaft ist patriarchisch geprägt. Es geht um Leistung und der Spruch: “Ich schaffe das!” herrscht in unseren Köpfen vor. In matriarchalischen Strukturen ist viel mehr Raum, die Weiblichkeit zu feiern. Die Mädchen bräuchten auch bei uns liebevolle Begleitung ins Frau-werden.

So wie es gerade bei den meisten läuft wird die Periode als lästig, schmerzhaft und nervig angesehen. Es werden Tabletten geschluckt um leistungsfähig zu sein. Mit einem Tampon kommt der Stöpsel drauf.

Bloß keine Schwäche zeigen, durchhalten, stark sein.

Patriarchale Gewalt.

Zuerst hat der Begriff mich gar nicht angesprochen. Doch dann beobachtete ich unsere Kinder beim Spielen. Die Jungs mit Bagger und Autos. BROOOOM – Lautstärke, Stärke, Kraft, Gewalt. Die kleine damals noch einjährige herzt und streichelt liebevoll ihre Puppe. Krass. Sie hat es von niemandem vorgelebt oder gesagt bekommen, die Jungs genauso wenig. Ich war immer auf dem Standpunkt in dem jungen Alter ist es doch egal ob Junge oder Mädchen.

Aber offensichtlich sind diese Strukturen unserer Gesellschaft von Geburt an geprägt. Das patriarchale, das Durchhalten, das Stark sein, das Leisten, das Müssen.

Oder schon vor der Geburt?

Wie hast du oder eine schwangere, bekannte Frau sich denn in der Schwangerschaft verhalten?

Ich bin tatsächlich bis zum Mutterschutz immer in der Arbeit erschienen, war stolz leistungsfähig zu sein und nicht auszufallen.

Auch wenn mir oft der Rücken schmerzte.

Erst als ich während meiner dritten Schwangerschaft, die kurz auf die zweite folgte, nicht arbeiten ging erlebte ich eine richtig magische Zeit.

Ich feierte die Schwangerschaft, ruhte viel, machte täglich die Regenbogenmeditation für das Hypnobirthing und ging viel in Dialog mit meinem kleinen Bauchbewohner.

Es war ein Genuss.

Dasselbe Feiern erlebte ich in meiner ersten Schwangerschaft in der Mutterschutzzeit.

Ich ging in geburtsvorbereitende Aquafitness und oft auch mit nur meinem lieben Bauchbaby ins Schwimmbad, machte Heublumendampfsitzbäder, Dammmassage,  trank Himbeerblättertee, las unheimlich viel über Geburt und alles was davor und danach kommt. Ich feierte die Schwangerschaft.

Allerdings bereue ich, in meiner ersten Schwangerschaft mir zu wenig Zeit genommen zu haben um die Geburt zu organisieren. Hätte ich das gründlicher gemacht, hätte mir überlegt wen ich dabei haben möchte, wäre sie vielleicht besser verlaufen.

Na, wer weiß das schon.

Aber ich würde mir sehr von euch Frauen und Männern wünschen, dass die Schwangerschaft und auch die Mens als heilige Zeit angesehen wird, die es zu feiern und zu genießen gilt.

Die Würdigung erfährt. Raum bekommt.

Zum Beispiel tatsächlich öfter mal zu Hause bleiben, weniger Leistung bringen, Wärme drauf, einen Wollrock anziehen. Während deiner Tage könntest du bewusst rote Kleidung anziehen.

Lesen, Ruhen, Meditieren.

Setz dich doch einfach mal eine halbe Stunde pro Tag hin und mache nichts. Das geht auch mit Kindern. Das wird sie auch zur Ruhe und zu sich selbst bringen. Sie lernen dabei von dir, für sich selbst zu sorgen, auch einmal auszuruhen.

Gönn dir gesunde Supplements. Trinke ausreichend. 

Wenn du Blut verlierst ist es für den Körper tatsächlich so anspruchsvoll wie eine Wunde heilen. Vor allem nach der Geburt während des Wochenflusses, aber auch während der Regel.

Iss viel rote Bete, trink Eisensaft, gönn dir was. Feiere deinen Körper, der Wunder vollbringt! Wie genial ist es denn, dass er Leben schaffen kann! Aus einem kleinen Zellhäufchen werden wunderbare Geschöpfe. Das ist doch ein unglaublicher Vorgang, den wir nicht so unbewusst vorüberziehen lassen dürfen mit allem was dazu gehört.

Zum Zyklus des Lebens gehört Aufblühen und Vergehen…

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