Kindergartenfrei – mein erster Gastartikel!!!

Juhuu, ich habe meinen ersten Gastartikel geschrieben. Er hat “kindergartenfrei” zum Thema und ist auf dem Blog “Mamazeiten” zu finden.

Ich möchte ihn dir hier auf meinem Blog nicht vorenthalten und kopiere ihn hier hinein.

Unten ist auch “Mamazeiten” verlinkt, denn der Artikel war der Auftakt zu einer wundervollen, vielseitigen Reihe über Kindergarten aus vielen Perspektiven und von den verschiedensten Leuten.

Eltern, Erzieher, Befürworter, Gegner und viele mehr kamen zu Wort.

Hier kommen beide Teile meines Interviews, die zuerst über Janoschbärs Kindergartenzeit gehen und dann über unsere kindergartenfreie Zeit, die bis heute andauert:

Interview mit Birke  – Mein Kind im Kindergarten


Warum habt ihr Euch für den Besuch eines  Kindergarten entschieden?
Nils Janoschbär hatte keine Geschwister. Er sollte die Möglichkeit haben mit Kindern zu spielen und Freunde kennen zu lernen.

Besucht ihr einen klassischen Kindergarten oder einen Speziellen wie bspw. Waldkindergarten, Montessori, Waldorf, freien Kindergarten usw.? Welchen und warum habt ihr Euch für diesen Kindergarten entschieden?
Bei uns in der Nähe gibt es einen tollen Waldorfkindergarten. Im Vergleich zum staatlichen Kindergarten sind die Gruppen klein und überschaubar (ca 15 Kinder). Ab fünf Jahren sind die Kinder in einer Natur-Außengruppe, was wir uns sehr gewünscht haben.

Seit wann ist/sind das/die Kind(er) in Betreuung und wie lange am Tag?
Er war dann meist vier Tage die Woche, da immer ein Tag dabei war, wo er keine Lust hatte zu gehen/ es ihm zuviel wurde. Meist Mittwochs.Wir holten ihn unregelmäßig zwischen 12 und vier, je nachdem, wie er es sich am Morgen gewünscht hat und wie ich es mit abholen am Nachmittag gut hinbekommen habe. Nachmittags gab es viel freies Spiel, das hat er sich manchmal gewünscht, eine zeitlang wollte er auch so früh wie möglich wieder geholt werden.

Wie ist die Eingewöhnung verlaufen? Gab es Vorgaben und Regelungen?
Die Eingewöhnung hat Rafael Thaddäus (Papa) mit Nils Janoschbär gemacht. Er sagt, es war unkompliziert. Er konnte solange bleiben wie er wollte. Drei Tage war er mit dabei. Als er das erste Mal nach einer Stunde gegangen ist, wurde er dann nach einer halben Stunde zurückgerufen, weil es nicht ging. Er erinnert sich allerdings daran, dass er einfach gegangen ist, ohne sich von Nils Janoschbär zu verabschieden. Das war wohl das Problem, denn am nächsten Tag als er sich verabschiedet hat, war es problemlos.Ich erinnere mich noch, das Nils Janoschbär morgens immer schlecht aus dem Bett kam. Immer mussten wir ihn wecken. Was wir vorher nie in seinem Leben gemacht haben und es auch schwer übers Herz brachten. Jedoch fiel es ihm total schwer als einer der letzten anzukommen in einen vollen, von wilden Kindern tobenden Raum und ins Spiel zu finden. Oft war auch die Freies Spiel-Phase schon vorbei, das hat er dann auch sehr bedauert. Deshalb brachten wir ihn eine Zeitlang schon um sieben Uhr morgens, er war einer der ersten. Es fiel ihm dann leichter, in einem ruhigen Raum eine Bindung zu den Betreuerinnen aufzubauen. Das half sehr. Allerdings war er immer schrecklich müde. Da sich sein Rhythmus nicht soweit umstellte, dass er am Morgen von selbst wach wurde.

Durftet ihr bleiben, wenn das Kind bei der Verabschiedung geweint hat? Wie ging es Dir damit? Warum glaubst Du weinen Kinder bei der Verabschiedung?
Natürlich durften wir bleiben, aber manchmal mussten wir eben weg.  Rafael Thaddäus fand es sehr schwer ihn dort zu lassen wenn er geweint hat. Allerdings hatte er im Kopf, dass Nils Janoschbär es doch lernen müsse, selbstständig zu werden. Aus heutiger Sicht würde er es anders machen. Er würde ihn nicht mehr dort lassen wenn er weint, sondern ihn mitnehmen, wenn es beruflich möglich ist. Bei uns war es immer möglich, da immer einer von uns mit den Kleinen zu Hause war. Manchmal auch beide. Rafael meint auch, dass die Kinder genau merken, ob es möglich ist oder nicht und dann eher wieder mit nach Hause wollen, wenn die Eltern auch nach Hause gehen.  Er meint, sie weinen, weil sie sich im Kindergarten nicht so geborgen fühlen wie zu Hause. Sie müssen auf neue Situationen und Menschen reagieren. Dies bedeutet Stress für ein Kind. Ich (Birke) habe ihn beinahe jedes Mal wieder mit nach Hause genommen, wenn ich ihn an meinem freien Tag gebracht habe.  Deshalb hat ihn dann meist Rafael gebracht, auch an meinen freien Tagen.

 Habt ihr versucht das/die Kind(er) vor dem Kindergarten „trocken“ zu bekommen bzw. musste das/die Kind(er) zum Eintritt mit drei Jahren „trocken“ sein? Wie ist Eure Erfahrung?
Bei uns war Nils Janoschbär erst zweieinhalb, da schon ein Platz frei war, entschieden wir uns in früher in den Kindergarten zu geben, als ursprünglich geplant. Er wurde also von den Betreuerinnen auch gewickelt. Sie haben es dann auch sehr unterstützt, als er keine Windel mehr wollte, aber noch öfter in die Hose machte, ihn umzuziehen. Oft kam er mit Kindergarten Kleidern nach Hause und bekam eine Plastiktüte mit seinen Kleidern mit.

 Gibt es in eurer Kindergartengruppe spezielle Abläufe und Rituale, die täglich eingehalten werden?
Ja, alles nach Rudolf Steiner, da gibt es ja viele Rituale. Der Tag war gegliedert in Freies Spiel, gemeinsames Frühstück, Lieder, Reime, Puppenspiel und im Wochen Ablauf gab es auch Brötchenbacken,malen, Eurythmie, kneten mit Wachs, Waldtag

Wenn das/die Kind(er) nicht in den Kindergarten möchten, wie geht ihr damit um? Bringen Gespräche mit den Erziehern etwas? Geht das/die Kind(er) gerne in den Kindergarten?
Wir haben ihn schon oft zu Hause zu Hause gelassen wenn er nicht wollte. Wir haben ihn aber auch oft manipuliert hinzugehen. Am Ende hat es nur noch geholfen, dass Rafael Thaddäus mit ihm Pokemon Go auf dem Weg gespielt hat, um ihn aus dem Haus zu bekommen. Mit den Erziehern haben wir bei der ersten Krise die oben beschriebene Lösung gefunden, dass er früher kommt. Bei der zweiten Krise, als er nicht gehen wollte, war unsere eigene Lösung ihn Mittwochs zu Hause zu lassen. Das fanden die Erzieher nicht gut. Da sie sich einen regelmäßigen Besuch gewünscht haben. Sie haben damit argumentiert, dass die anderen Kinder sich sonst mehr zusammenfinden und Nils Janoschbär dann zum Spielen nicht mehr in die Spielgruppen hineinkommt. Wir haben es dann trotzdem gemacht und ihn dann bald ganz aus dem Kindergarten genommen,.

Was hälst Du von den Entwicklungs- und Beobachtungsbögen und habt ihr die Empfehlung zur Förderung, Sprachtherapie etc. erhalten? Wie seit ihr damit umgegangen?
Wir haben von den Bögen und Förderungen nichts mitbekommen. Ich finde es aber schade, dass schon an kleine Kinder so ein hoher Maßstab angelegt werden soll und sie im Vergleich zu Altersgenossen gestellt werden sollen. Es handelt sich doch um große Zeitspannen, in welchen Kinder Dinge lernen. Das sieht man ganz besonders an Freilerner-Kindern und dem Lesenlernen. Lernen tun sie es alle. Manche jedoch mit drei Jahren, andere erst mit dreizehn. Wenn Erziehern noch soviel Papierkram aufgebürdet wird, fehlt Ihnen doch Zeit für die Kinder.
Der Beruf ist sowieso total unterbezahlt für die hohe Belastung.

Findet ein regelmäßiger, täglicher Austausch zwischen Dir und den Erziehern statt? Finden regelmäßig Elterngespräche statt? Habt ihr den Eindruck, dass der Wille der Eltern zählt und ernstgenommen/ umgesetzt wird?
Mir war der Austausch zu wenig. Einmal die Woche wurde einmal ein Satz über unser Kind gewechselt. Ein Elterngespräch gab es nur einmal im Jahr.

Bist Du der Meinung das die Erzieher dein Kind richtig kennen wie es wirklich ist? Gehen die Erzieher individuell auf dein Kind ein? Wird es gesehen mit seinen Bedürfnissen und Wünschen?
Für Nils Janoschbär war es schade, dass Spielzeug nicht erlaubt war, er hätte gerne seine Hotwheel-Autos mitgenommen.
Wenn er irgendwo nicht mitmachen wollte, war es glaube ich schon ok. Aber ehrlichgesagt weiss ich das nicht, da er nie ein einziges Wort über den Kindergarten verloren hat.
Am Anfang haben wir noch oft gefragt, uns aber damit abgefunden nicht zu wissen, was er am Vormittag erlebt. Für mich war das total schwer.

 Seht ihr den Kindergarten als wichtig für die Entwicklung und vor Schulbeginn? Denkst Du der Kindergarten ist eine gute Vorbereitung auf die Schule?
Der Kindergarten ist auf jeden Fall eine Vorbereitung für die Schule. Die Kinder lernen, wie man sich in Gruppen verhalten muss. Wie man Rücksicht auf andere nimmt. Sie lernen zu gehorchen, sich an Regeln zu halten. Sie lernen zuhören, an einer Sache zu arbeiten, auf die Sie vielleicht keine Lust haben. Je nach Schularten, in die das Kind kommt ist es eine wichtige Vorbereitung. Kommt das Kind in eine freie, demokratische Schule, ist kindergartenfrei sicher die beste Vorbereitung, da es andere Kompetenzen lernt. Zum Beispiel seinen eigenen Interessen nachzugehen, selbstbestimmt Ideen zu verwirklichen, mit Freunden eigene Spiele zu spielen.

Was hältst Du von bedürfnisorientierter Erziehung und wie ist es im Kindergarten vereinbar? Unsere “Erziehung” ist bedürfnisorientiert. Geht in Richtung “Beziehung statt Erziehung”, “unerzogen”. Darüber lese ich viel und bilde mich ständig weiterAuch gewaltfreie Kommunikation ist mir sehr wichtig, dies ist bei den Erziehern in unserem Kindergarten teilweise nicht der Fall. Da habe ich schon unschöne Kommentare, an Kinder gerichtet mitbekommen. Bedürfnisorientiert ist im Kindergarten sicher nur teilweise, wenn überhaupt möglich. Wenn die Bedürfnisse von so vielen in einer Gruppe abgestimmt werden sollen, müssen sicherlich viele Kompromisse eingegangen werden.  Ich merke es jetzt schon bei drei Kindern, dass es manchmal schwierig ist.  Allerdings gehört ja auch zu sozialem Lernen, dass man die eigenen Bedürfnisse zugunsten der Gemeinschaft zurücksteckt. Dies ist im Kindergarten auf jeden Fall möglich.

Wie stellst Du dir einen Kindergarten der Zukunft vor?

Mein Traum-Kindergarten ist in der Natur. Ganz viel freies Spiel mit Kindern und Erwachsenen unterschiedlichen Alters. Erwachsene und Kinder genießen gemeinsam die Natur. Die Kinder dürfen wild sein.Oder auch ein Coworking-Space, wo Kinder spielen und Erwachsene arbeiten. Die eigenen Bezugspersonen verfügbar, wenn die Kinder sie brauchen.Gemeinsame Projekte, die lebensnah sind. Die gebraucht werden, in denen die Kinder und Erwachsenen sich selbst als wirksam erleben. Und Kinder brauchen auch Tiere. Dort sollten sie auch für ein Tier gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Hast Du schon einmal „kindergartenfrei“ gehört? Was hältst Du davon?
Ja! Wir sind seit einem Jahr kindergartenfrei und absolut glücklich damit! Für uns passt es gut, ich kann mir aber auch Familien vorstellen, für die es nicht passen würde. Auf jeden Fall finde ich es wichtig, die Idee, dass es ohne KIndergarten möglich ist und eine wunderbare Option für alle sein kann, in den Köpfen zu säen. Denn wenn man im Alltag steckt und nur die Möglichkeit: Kindergarten und Kita kennt, ist es schwierig überhaupt zu hinterfragen, ob das denn nötig ist.
Liebe Birke, herzlichen Dank für den ersten Einblick in eure Kindergartenzeit. Im zweiten Teil (erscheint in ein paar Tagen) erzählt Euch Birke, wie sie heute leben – ein Leben ohne Kindergarten. Wie es dazu kam und ob “Nils Janoschbär” nun glücklicher ist als vorher und wie “kindergartenfrei” überhaupt funktionieren kann – mehr demnächst auf Mamazeiten.
Und hier der zweite Teil meines Interviews:

Interview mit Birke  – kindergartenfrei – eine Erleichterung

Hat (eins) Euer Kind/Kind(er) jemals einen Kindergarten/ Tagesmutter besucht? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?
Unser Ältester ist 1,5 Jahre im Kindergarten gewesen und nun seit einem Jahr zu Hause. Unsere Erfahrungen mit dem Kindergarten, habe ich in einem Blogartikel, auf unserem Blog, genau beschrieben. Wir haben Höhen und Tiefen damit erlebt. Manchmal wollte Nils Janoschbär vom Kindergarten gar nicht nach Hause, wenn ich ihn abholen wollte. An anderen Tagen, kam als wir nachmittags am Bach gespielt haben, plötzlich leise und zaghaft ein Lied oder Reim aus ihm heraus, von dem ich nicht wusste, dass er es kann. Solche Situationen haben mich sehr glücklich gemacht. Nie vergessen werde ich, als wir ihn strampelnd und weinend in den Armen der neuen Erzieherin gelassen haben, als wir mit seinem neugeborenen Bruder zu einem Termin mussten. Das war grausam. Auch die Tage, als wir sein “Nein” überhört haben, und ihn trotzdem hingebracht haben, obwohl er keine Lust hatte, möchte ich nicht noch einmal erleben. Als ich mitbekommen habe, wie unwirsch eine -sonst liebevolle- Betreuerin zu einem Kind war, als sie gestresst war, wollte ich auch nicht mehr dass unser Sohn dort hingeht. Tatsächlich hatte ich erwartet, dass er dort gut begleitet wird und in liebevollen Händen ist. Allerdings hatte ich völlig überschätzt, um wie viele Kinder sich die Betreuerinnen ja kümmern müssen,  und wie wenig Zeit und Aufmerksamkeit da für den Einzelnen bleibt. Da ist es für mich oder meinen Mann, mit drei Kindern zu Hause oder unterwegs, auf jeden Fall besser.
Unser ältester Sohn war auch oft absolut erledigt, wenn er zu Hause ankam. Dies zeigt, wie stressig für ihn ein Vormittag im Kindergarten war. Auf soziale Kontakte hatte er gar keine Lust mehr. Mit seinem Bruder stritt er viel, da ihnen wenig Zeit vom Tag blieb, um eine Bindung aufzubauen. Ich hatte oft das Bedürfnis mich mit anderen Eltern zu treffen, die auch Kinder haben. Denn vormittags machte ich Haushalt und Nachmittags wollte ich raus aber Janoschbär stritt nur mit den Kindern und wollte nach Hause und das war dann auch anstrengend und unschön.
Foto von Birke Wolf

Lebt ihr bewusst – kindergartenfrei – bitte erzähle wie es dazu gekommen ist

Ohne, dass ich über “kindergartenfrei” gelesen hätte, wären wir nicht auf die Idee gekommen. Begonnen hat die Idee in mir zu reifen, als ich zufällig ein youtube-Video einer Mutter gesehen habe, die mit ihren spielenden Kindern im Wald war und über “kindergartenfrei” erzählt hat. Als ich dann eine Familie traf, deren Tochter vier war und nicht im Kindergarten, machte ich mir langsam Gedanken, ob das etwas für uns wäre. Und als unser Großer in die Draußengruppe kam, wurde es zunehmend schwieriger, ihn morgens zu überzeugen in den Kindergarten zu gehen.
Ich war mit seinen beiden kleinen Geschwistern zu Hause und er musste das Haus verlassen. Viel lieber wollte er bleiben und zu Hause spielen. Ich sagte ihm eines Nachmittages im Juni, vor einem Jahr: “Du, Nils. Du musst nicht in den Kindergarten. Wir machen das nur, damit es dir Spaß macht.” Er blickte mich an und fragte:” Wenn ich nicht will, muss ich nicht gehen”
“Ja, dann melden wir dich ab. Dann kannst du aber auch nicht einfach einen Tag gehen, wenn du mal wieder Lust hast.” Er strahlte und sagte: “Dann will ich da nie wieder hin.” Damit war es beschlossen. Jetzt seit einem Jahr hat er nie den Gedanken geäußert, wieder hin zu wollen Interessant ist auch, dass er erst jetzt darüber sprechen kann, dass er damals geschlagen wurde: “Mama, es ist doch komisch, in der Gruppe bei den Kleinen durfte man im Kindergarten nie hauen. Aber in der Draußengruppe durften uns die Großen auf einmal hauen.”
Foto von Birke Wolf

Welchen Nachteile seht ihr an einem klassischen bzw. generell an Kindergärten? Gibt es Deiner Meinung nach auch Vorteile?

Nachteile sehe ich in der Gruppengröße, in der Lautstärke, in der Überforderung der Betreuer. Auch die lausige Bezahlung für einen so wichtigen Beruf finde ich absolut unangebracht. Kinder sind vom Leben abgeschnitten. In einem künstlich erzeugten Rahmen, mit Gleichaltrigen erfahren sie ihr Leben.  Ihnen fehlt der Kontakt zu Erwachsenen und älteren Kindern, von welchen sie leichter soziales Verhalten lernen können, als von Gleichaltrigen. In Bezug auf das Lernen von sozialem Verhalten im Kindergarten gefällt mir der Vergleich:
Das ist wie, lauter Nichtschwimmer ins tiefe Wasser zu werfen und davon auszugehen, dass sie schon Schwimmen lernen werden. Vorteile sind natürlich, dass die Eltern freie Zeit haben, für sich, für den Beruf oder den Haushalt. Obwohl ich es total wichtig finde, dass die Kinder an der Hausarbeit teilhaben und sie mitbekommen, was leichter ist wenn sie zu Hause sind.

 

Welche Vorteile siehst Du darin, kindergartenfrei zu leben?

Bei uns sind entspannte Morgende die Regel. Ausschlafen, gemütlich Essen machen, auf das die Kinder Lust haben und bei dem sie mithelfen. Abholen und bringen war bei uns durch die Entfernung auch immer stressig, das fällt nun weg. Und unser Nils Janoschbär hat sich wahnsinnig zum Positiven verändert, seit er nicht mehr in den Kindergarten geht. Er ist entspannter, aufgeschlossener gegenüber Erwachsenen. Er spricht mit meinen Großeltern, wo er vorher jeden Blickkontakt vermieden hat.  Er ist interessiert an unseren Freunden und freut sich über jedes Kind, mit dem er spielen kann. Dann spielt er stundenlang und friedlich, statt wie früher aggressiv und gereizt. Öffentliche Einrichtungen können vormittags besucht werden, statt am Wochenende und an Feiertagen, an denen ich Tiergarten und Playmobil-Funpark meide. Die Beziehung Kind-Eltern und Kind-Geschwister ist viel tiefer und qualitativer, je mehr Zeit wir gemeinsam verbringen. Projekte können stehengelassen und bei Bedarf fortgesetzt werden.

 

Foto von Birke Wolf

Wie sieht Euer klassischer Tagesablauf aus?

Ausschlafen mit Papa, Buch lesen und kuscheln im Bett, frühstücken, ein bisschen fernsehen, im Garten spielen – Haushalt, Mama kommt nach Hause- stillt die Kleinen, Mittag essen, Mama geht mit den Kindern Freunde treffen, an den See, in den Wald oder in die Stadt – Papa schreibt an seinem Buch, abends: Haushalt, abend essen, Mama arbeitet am Schreibtisch – Kinder kommen ab und zu vorbei. Zwischen neun und zehn Uhr abends gehen wir dann alle zusammen im Familienbett schlafen. Dann gibt es natürlich Tage mit gemeinsamen Ausflügen, als Familie oder Zeiten, in denen Mama oder Papa alleine weggehen für Fußball, Reiten, Feldenkrais, Kino,…

 

Wie wichtig sind für Dich soziale Kontakte vom Kind(er) und besucht ihr andere Angebote wie bspw. Musikschule, turnen usw., wo es/sie mit anderen Gleichaltrigen in Kontakt kommen?

Wir haben selbst viele Freunde, die Kinder haben, die wir treffen. Nils Janoschbär hat auch Freunde, bei denen er übernachtet oder die er ohne uns besucht.  Wir organisieren Treffen, wenn er es wünscht, oder wenn wir merken das er unausgeglichen ist. Aber meist merkt er selbst was er braucht und ruft auch selbst an, um etwas auszumachen. Zwei Termine haben wir nachmittags, bei denen er wöchentlich regelmäßig Kinder trifft. Klettern und Waldtag, da sind Papa und Mama jeweils dabei. Allerdings finde ich es auch sehr wertvoll, dass er auch Freunde hat, die nicht gleich alt sind. Eine Hündin, eine Freundin von uns, die er sehr liebt. Unsere Verwandten. All diese Beziehungen haben sich erst nach dem Ausscheiden aus dem Kindergarten vertieft.
Foto von Birke Wolf – Nils Janoschbär

 Im Kindergarten bekommen Eltern oft zu hören, dass es wichtig für die Kinder wäre, dass sie alleine in der Einrichtung sind, Regeln lernen und sich alleine durchsetzen müssen. Wie stehst Du dazu?

Ab einem gewissen Alter und einer bestimmten Reife, ist es wichtig, dass Kinder sich selbst erleben. Wie sie auf andere, fremde Personen wirken, ohne Eltern. Das ist allerdings im Kindergartenalter noch nicht unbedingt der Fall, eher später im Schulalter dann. Regeln lernen Kinder ja auch zu Hause oder in einem Kurs, den sie besuchen oder in der Straßenbahn zum Beispiel. Regeln gibt es ja überall in ihrer Umwelt. Sich alleine durchzusetzen können kindergartenfreie Kinder mit Geschwistern sicherlich leichter lernen als Einzelkinder. Kindergartenfreie Kinder können große Kindergruppen auch auf Festen zum Beispiel erleben und sich da ausprobieren. In großen Kindergruppen lernen leider auch nicht alle Kinder sich durchzusetzen. Manche verlieren auch immer und werden total klein gemacht von den Anderen.

 

 Ein anderes Argument: Im Kindergarten werden den Kindern Aktionen angeboten, die ich niemals alleine zu Hause hinbekommen würde, weil meist die Zeit dazu fehlt (malen, basteln, Sprachförderung, Ausflüge usw..) Wie siehst Du das?

Bei uns zu Hause bleibt mehr Zeit für Aktionen, wenn alle Kinder zu Hause sind. Wir geben uns Mühe, dass immer ein Elternteil mit den Kindern ist. Da malen, basteln, spielen wir viel mit den Kindern und der Betreuungsschlüssel ist besser als im Kindergarten. Unsere Aktionen sind lebensnah: Brötchen oder Kuchen backen, Filme drehen und in youtube hochladen, das Haus anmalen oder Mosaik machen,Geschichten lesen oder selbst welche ausdenken, Briefe an die Urgroßmutter schreiben, Whattsapp – Sprachnachrichten an Freunde verschicken,…
Foto von Birke Wolf
Was hältst Du davon, dass Kinder in Ganztagesgruppen bis 16.30 Uhr im Kindergarten verbringen?
Der Trend unserer Gesellschaft geht leider dahin.  Die Alten werden ins Heim gesteckt. Die Eltern arbeiten, meist Beide. Die Kinder sind 8-9 Stunden in einer Einrichtung. Ich denke wir ziehen uns da psychische Wracks heran, die später im Leben schwer klar kommen werden. Meiner Erfahrung nach sind die Kinder absolut durch, nach so einer langen Zeit im Kindergarten.
Abends dann noch schnell essen und ab ins Bett und morgens schnell los. Wo bleibt da die Beziehung zu Eltern oder Geschwistern? Da sind die Eltern doch nur Antreiber, weil ja Alles auch immer noch schnell gehen muss und funktionieren muss. Oder spätestens in der Pubertät gibt es dann riesige Probleme, wenn die Bindung zu den Eltern fehlt.
Das ist jetzt sehr schwarz gemalt und sicher nicht bei Allen so. Es kann ja auch sein, dass die Familienverhältnisse zu Hause schwierig sind und dass das Kind super gute Freunde im Kindergarten hat.  Da ist es dann in Betreuung auf jeden Fall besser aufgehoben.

 

Denkst Du das Kind(er), die kindergartenfrei aufwachsen, mit dem Eintritt in die Schule, Schwierigkeiten bekommen? 

Eigentlich denke ich sie haben die gleichen Kompetenzen gelernt wie Kindergartenkinder. Teilweise vielleicht besser. Allerdings werden sie sicher eine Eingewöhnungsphase brauchen, in der sie mit den vorgegebenen Strukturen klar kommen müssen und damit, dass sie weniger selbst entscheiden können. Es kommt ganz auf die Schulart an. Meiner Meinung passt das Regelschulsystem nicht zu kindergartenfreien oder bedürfnisorientiert aufgezogenen Kindern. Eine freie, demokratische Schule, zum Beispiel, würde das Elternhaus eher ergänzen.

 

Gibt es noch Anmerkungen, Gedanken oder Anregungen, die Du gerne los werden möchtest? Bitte teile sie uns noch mit. 

Bist du sowieso zu Hause, wegen kleinen Geschwisterkindern und habt ihr öfter Probleme mit dem Kindergarten… TRAUT EUCH!!! Probiert es einfach Ohne. Zum Glück gibt es keine Kindergartenpflicht in Deutschland. Nutzt es aus! Genießt möglichst viel Zeit mit eurem Kind. Sie werden so schnell groß und schwupps, die Kindheit deiner Kinder, haben dann andere erlebt. Erzieher, die womöglich nicht einmal mehr den Namen deines Kindes wissen. Allerdings, gebt eurem Kind Zeit, um positive Veränderungen an ihm festzustellen. Wie es eine Deschooling-Phase gibt, gibt es auch eine Dekindergardening-Phase. Unser Nils Janoschbär war ab dem ersten kindergartenfreien Tag so entspannt, als wäre eine riesige Last von ihm gefallen.

Foto von Birke Wolf

 

Liebe Birke, herzlichen Dank für deinen Einblick in euer Leben und die Zusammenarbeit! In den kommenden Wochen lernt ihr noch weitere Familien kennen  – von Befürworter des Kindergartens, Erfahrung in beiden Welten bis hin zu schon immer kindergartenfrei. Außerdem werden informative Beiträge folgen wie bspw. Checklisten für die Kindergartenwahl und – ausstattung. Es bleibt spannend!

Hier findet ihr den ersten Teil auf dem Blog “Mamazeiten”.

Und hier den zweiten.

Klick dich einfach auf www.mamazeiten.com ein bischen durch, dann findest du auch die Fortsetzung der Interviewreihe und viele andere spannende Themen. Viel Spaß!

 

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