Magisches Stillen

“Jede Frau in diesem Raum kann stillen.”

Schweigen.
Neugierig blicken wir alle mit verschieden groß gerundeten Bauchbällen auf unsere Dozentin, eine Hebamme.
In mir breitet sich Begeisterung und Vertrauen aus.
Ein grenzenloses Vertrauen in meinen Körper, in meine Brüste. Das die nächsten sechs Jahre-bis heute anhält.
Freude über das Statement.
Ja ich kann stillen!
Danke für diese Aussage in einem Nachmittags-kurs über das Stillen.


Ich bin so dankbar, dass ich damals dort war, zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
So dankbar, dass diese Hebamme den Kurs gab.
Sogar umsonst, sagte sie, denn ihr liegt das Thema so sehr am Herzen.
Mittlerweile liegt es mir mindestens genauso am Herzen.
Mehr noch, täglich liegen zwei kleine Vampire an meinem Herzen, die an mir saugen.
Täglich stelle ich mir die Frage:
Möchte ich abstillen oder nicht?
Und darum beschäftige ich mich gerade intensiv mit dem Thema Stillen.
Meistens genieße ich es sehr und ich sehe wie wichtig es gerade für unsere zwei Kleinen ist “Mama zu tanken”, seit ich arbeiten gehe.
Sie feiern es so sehr wenn ich komme und sie “Milch dinken” können.
Es ist ein wundervolles Ankommen, Runterkommen vom Tag, wenn sie so an meinem Herzen liegen.
Ich schnuppere ihren leckeren Baby-Kinderduft, streichele ihre Rücken und Köpfe und bin einfach nur im Glück.
Aber sobald es ihnen nicht gut geht, wie neulich als sie die Mundfäule hatten oder Mikamaus vier Backenzähne auf einmal bekommen hat,…
Dann ist es mir einfach zu viel. Das kann ich nicht leisten, so ausgesaugt zu werden!
Da hilft es mir sehr ACHTSAM ZU STILLEN.
Stillen als Meditation sehen.
Stillen = STILLE
Als Zeit für mich, für uns, zu entschleunigen.
Atmen, da sein, JETZT sein, im Moment sein, Leben genießen, die Dreisamkeit genießen.
Das hilft enorm wieder das Schöne am Stillen wahrhaben zu können.
Die Genervtheit ablegen.
Es ist allerdings auch eine enorme Herausforderung, das Langzeit-Tandem-Stillen.
Mikamaus ist zweieinhalb. Die kleine Kolibri eineinhalb.
Oft würde ich Mikamaus gerne abstillen. Allerdings denke ich nicht dass es möglich ist solange die kleine Kolibri weitertrinkt.
In Momenten, in denen ich über das Abstillen nachdenke, fühle ich mich manchmal wie eine Tier-Mama, die ihre Kleinen weg beißt, wenn sie zu groß zum Trinken geworden sind.

Letzte Woche im Schwimmbad hat mich eine Frau angesprochen, die auch eine Zweijährige stillt:
“Ich finde es toll, dass du noch stillst.”
Sie hätte in ihrer Umgebung soviel Gegenwind wegen dem Langzeitstillen.
Das macht mich wirklich traurig.
In anderen Ländern der Welt ist es so normal zwei Jahre zu stillen!
Ui, ich verlinke dir unten einen Artikel!
Durchschnittliche Still dauer von Menschenkindern sollte 2,5 bis sieben Jahre betragen!
Ja Wahnsinn.
In Deutschland liegt der Durchschnitt bei 7,5 Monaten.
Oh weh die armen Menschenbabies!
Das ist ja wirklich gar nicht artgerecht!
Na das war es jedenfalls auch was ich der Mutter im Schwimmbad gesagt habe.
Ich sehe es eher kritisch wenn mit ein paar Monaten schon abgestillt wird.
Schade wirklich, dass das Umfeld, in dem man lebt so verschieden sein kann und soviel Einfluss hat!
In Deutschland denke ich liegt die Orientierung zur Zeit auf sechs Monaten.
Dies entstammt meiner Meinung nach einem Mißverständnis der WHO, die empfiehlt sechs Monate VOLL zu stillen und MINDESTENS bis zum zweiten Geburtstag zusätzlich zur Beikost weiterzustillen.
Der zweite Zusatz dieser Empfehlung ist in unserer westlichen Gesellschaft leider in den Köpfen meist nicht präsent.

Meine erste Freundin, die ein Baby bekam sagte mir, dass es für sie ganz klar ist, dass sie nicht Stillen möchte.
Ihre Brüste gehören ihr und ihrem Mann und sonst niemandem.
Ja – auch ok.
Wenn das jemand so klar sagen und entscheiden kann, finde ich das auch ok.
Das hat auf jedenfall auch seine Berechtigung.

Allerdings finde ich, dass sich mit Baby sowieso so eine große, neue Herausforderung im Leben stellt.
Da solltest du dir die Dinge so einfach wie möglich machen.
Und das ist Stillen nun mal.
Du brauchst keine Fläschchen, keinen Fläschchen-Desinfizierer, kein Warmhaltegerät, keine Pulvermilch, meistens nicht einmal Schnuller.
Denn die spucken euch die meisten Stillkinder um die Ohren.
Du hast deine Milch immer dabei. Wohltemperiert. Keimfrei.
Sowieso musst du soviel Zeug mittragen, Wechselkleidung, vielleicht Windeln (je nachdem).
Dann auch noch Pulver und warmes und kaltes Wasser und Flasche und sauberen Nuckel, puuuh.
Also wenn du dir das sparen kannst. Tu es.
Auch die Gewöhnung an das Essen fällt später viel leichter, wenn es nebenbei geschehen kann.
Du kannst zum Beispiel den Ansatz von “Babyleadweaning” ausprobieren.
Eine tolle Seite mit Rezepten verlinke ich dir unten.

Überlege dir auch ob du dein Menschenkind an einem Kuheuter nuckeln lassen möchtest oder lieber an einer Menschenbrust.
Denn das Milchpulver besteht größtenteils aus Kuhmilch. Die ist allerdings für schnelles Größenwachstum der Kälbchen gemacht.
Menschenmilch zielt auf schnelles Gehirnwachstum.

Sehr praktisch ist auch der Hormon-cocktail, den dein Gehirn beim Stillen freisetzt.
Oxytozin und Prolaktion für die Bindung. Sie machen glücklich und entspannt.
Wenn du nachts stillst wirst du davon automatisch müde. So dass dein Baby und du meist beim Stillen wieder einschläft.
Am morgen kann ich deshalb auch nie sagen, wie oft ich gestillt habe.

Du hast da vorne an dir dran zwei Zauberdinge, du nun endlich Sinn machen.
Schon dein Leben lang trägst du sie mit dir herum.
Sie verzaubern dein Kind, machen es ruhig, zufrieden, lassen es einschlafen oder trösten es.
Stillen ist soviel mehr als nur Nahrungsaufnahme!
Du bist zu Tränen gerührt wenn nach der Geburt dieses Mini-mini-Wesen zum ersten Mal an deiner Brustwarze saugt!
Die Gefühle sind einfach überwältigend!
Du nährst dieses Wesen!
Die ersten Monate legen die Kleinen so wahnsinnig an Größe zu und alles was sie wachsen, wirst du abnehmen.
Deine Stillreserven, die dein Körper vorsorglich an Hüften, Po und wo sonst noch alles? angelegt hat, schmelzen dahin.
Und all dieser Speck rundet dein Baby. Macht es supersüß, so dass du dich nur noch um es kümmern möchtest!
Das hat die Natur sich schon alles sehr genial ausgedacht!
Damit hast du allerdings auch eine große Verantwortung und Anbindung!

Manche finden es leichter nicht zu stillen, da sich dann der Mann auch selbstverantwortlich um das Baby sorgen kann und sie so freier sind.
Das muss jede Familie für sich selbst entscheiden.
Nachts ist es doch in 90 % der Fälle die Mutter, die sich kümmern muss, da der Mann meist arbeiten geht und früh aufstehen muss.

Noch eine süße Geschichte:
Janoschbär war vier als seine kleine Schwester in meinem Bauch war.
Anfang Dezember sollte sie auf die Welt kommen.
Er machte sich so seine Gedanken, wie das werden sollte.
Mikamaus wurde ja noch gestillt und liebte es zwischen den beiden Brüsten zu wechseln oder zumindest immer die jeweilige, an welcher er nicht trank, in der Hand zu halten.
Dies hatte Janoschbär beobachtet.
Er sagte:
“Ich wünsche mir vom Weihnachtsmann, dass meine Mama drei Brüste hat! Dann kann Mika zwei haben und eine ist für das neue Baby!”

Links:

Guck mal hier ist ein Artikel über durchschnittliche Stilldauer

Und hier ist die Empfehlung der WHO

Hier ein Link zu dem tollen Kurs in Nürnberg von Frau Häfner

Rezepte, die leicht zu machen sind für die Beikosteinführung gibt es hier

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